Horizon

June 6, 2008

Ein Spiel sie zu knechten, sie alle zu…. *räusper*hüstel*

ähäm. Entschuldigung

Wie den meisten bereits aufgefallen sein wird, ist es zurzeit der Trend schlechthin, irgendein Browsergame zu spielen. Große Namen kommen dabei immer wieder zum Vorschein wie OGame, Dark Orbit, SeaFight, Knightfight u.v.a., die sich großer Beliebhteit erfreuen und mehrere Tausend, wenn nicht gar mehrere Zehntausend Spieler an den Rechner locken.

sie alle behandeln im Prinzip das gleiche Thema: Fange mit nichts an, baue dir alles auf und erkämpfe dir Ruhm und Ehre.

Signifikant dafür ist eine meißt äußerst schlichte Grafik, die oft nur aus einem Menü besteht sowie viele Zahlen, die munter vor sich hin rattern.

Allerdings weisen all diese Spiele ein gewichtiges Problem auf: Sie sind, flüchtig gesagt, Simpel wie ein Brett und leiden unter dem, teilweise exakten, Kopieren der Inhalte.

Knightfight ist eines dieser Paradebeispiele: im wesentlichen hat der Spieler 3 Aktionen zur Auswahl:

- geh Arbeiten

- geh Kämpfen

- Kaufe ein

Das wars. Sonderlich viel mehr Möglichkeiten hat er nicht. Die größte Interaktion mit dem Gegenspieler ist, ihm eins auf den Deckel zu geben (was mit einem einzigen Klick getan ist)  und sein Gold zu klauen. Das wars. Zwar kann man noch Clans beitreten, doch aufgrund der mangelnden Interaktionsmöglichkeiten ist das eher Anschauungswert. Da hilft es auch wenig, wenn eine Allianz sich zum Krieg gegen eine andere rüstet, das simple Spielprinzip hält einem näheren Betrachten einfach nicht stand.

Zudem gibt es von eben jenem Spiel mittlerweile etliche Kopien die ex-akt gleich aufgebaut sind, nur eben mal mit Werwölfen und Vampiren (Bitefight), Vampiren und Werwölfen (Monstergame) und wie sie nicht alle heisen.

Zudem sind sie, gelinde gesagt, unfair, da jeder, der zuviel Geld (ich meine harte Euros) hat, sich extreme Vorteile erkaufen kann, ohne etwas dafür zu tun.

In vielen anderen Spielen ist dieser harte Faut-Pax an der Balance zwar nicht gegeben, doch die Einöde der Mechanik bleibt gleich. Bauen – Kämpfen – Plündern – Bauen -Kämpfen – Plündern, oder, um dem ganzen mit einem Beispiel die Krone aufzusetzen:

Bananen anbauen – Bananen verkaufen – Bananen anbauen – Bananen verkaufen – Schatz suchen – Bananen anbauen…(Bananenkönig). Die Sinnfreiheit der Mechanik ist nicht nur erschlagend, sondern fordert auch noch eine Menge Klickerei, da man im späteren Spielverlauf gut und gerne ein paar Hundert Felder abernten muss, wobei jedes natürlich einzeln angeklickt werden will. Wer das nicht machen will, kann einen Obulus von einigen Euro pro Monat bezahlen und kriegt so einen Ernte-alles-auf-einmal-Button.

Doch wenn man ganz genau hinsieht, ein wenig Abseits der großen, bunten Werbebanner der OGames und Knightfights dieser Tage, der findet immer wieder mal ein Spiel, dass sich traut, alles anders zu machen.

Eine dieser wenigen Perlen ist Horizon.

Es geht beeindruckend nüchtern los. Man ist auf einem Planeten mit seinem Weltenschiff abgestürzt und soll nun ein Reich aufbauen. “Tolle Idee. Gabs ja noch nie…” werden sich nun viele denken, doch Vorsicht:

Sind die ersten Klicks in der spartanischen Oberfläche getan und die ersten Menüs durchgeblättert, ahnt man langsam, was Horizon zu bieten hat. Mit jedem Tag wird das Spiel nicht öder, sondern fordernder. Die Ressourcen wollen gut eingeteilt werden. Stures Klicken ist hier fehl am Platz. Jedes Gebäude hat ganz individuelle Vor- und Nachteile, die teilweise zu extrem unterschiedlichen Strategien führen. Bau ich den Bauhof aus? reicht meine Bevölkerung noch für die nächste Waffenfabrik? Wird die Atmosphäre zu stark verdichtet, wenn ich Terraforming forsche und vermindere so meinen Energieausstoß?

Anstatt nur Hitpoints runterzuzählen oder mit der möglichst größten Kanone anzutanzen, muss in Horizon eine Kampfflotte auf jede Situation angepasst werden.

Über 100 verschiedene Raumschiffe von der Kampfdrohne über das Schlachtschiff zum Todesstern wollen in einem äußerst komplexen Kampfsystem mit verschiedenen Flottenverhalten, Hinterhalten und Belagerungen kombiniert und koordiniert werden. Dazu kommen etliche Spezialschiffe wie Bergbauschiffe, die unbewohnte Planeten ausbeuten, Sprungtorfeuerschiffe, die Tore in andere Galaxien offen halten,  Raffinerieschiffe, die Treibstoffnebel abbauen, Planeteneinschlagsdrohnen, die Rohstoffe aus Planeten sprengen und und und. Die Möglichkeiten im Weltraum sind enorm.

Wer jedoch nun glaubt, das sei alles, der wird sich von den Kooperationsmöglichkeiten wahrscheinlich erschlagen fühlen.  Neben Ressourcenaustausch und Krieg bietet das Spiel erst auf den zweiten Blick eine Fülle von Möglichkeiten. Spieler A möchte nach Galaxie B, Spieler C hat Sprungtorfeuerschiffe, die A nicht hat, Spieler A mietet den Dienst des Spieler Cs und der Tausch ist perfekt.

Spieler B braucht dringend Ressourcen in System Weit-Weit-Weg, hat jedoch nicht genug Kapazität, um all dies hinzufliegen. Spieler A verfügt jedoch über Gildentransporter, riesige Transporter mit Laderäumen in denen wohl Platz für eine Stadt ist.  Spieler B schippert Rohstoffe zu dem nahe gelegenen Spieler A und bezahlt ihn für den weiten weg nach Weit-Weit-Weg.

Das sind nur einfache Beispiele, die die Möglichkeiten gerade mal ankratzen. Vom kooperativen Kolonisieren ganzer Sonnensysteme bis zum Zerstören ganzer Planeten bietet das Spiel eine Fülle an Möglichkeiten, die seinesgleichen Sucht. Und wer nun eine Alienrasse für sich entdeckt hat, wird spätestens jetzt merken, dass es mit dem Bauen-Kämpfen-Bauen-Prinzip vorbei ist.

Sciween Forschen schnell und billig und sind enorm gute Kundschafter.

KeeLaak verdunkeln mit ihrern getarnten Schlachtschiffen jeden Himmel und richten große Schäden mit ihren Marschflugkörpern an.

Diggren buddeln sich durch jedes Gestein und jagen bei ihren Grabungen auch schonmal versehentlich einen Planeten in die Luft

Quiprex transporteren und handeln alles in gewaltigen Massen und packen ihre Flotten bei Platzmangel einfach in den Subraum

Und Nux verlassen sich ganz auf ihre Psi-Kräfte, transportieren Gebäude durch den Hyperraum oder nutzen ihr Kollektives Gedächtnis um effektiver zu arbeiten

Von der aktiven Community, den engagierten Entwicklern, den Zufallsereignissen, den Artefakten und dem eigenen Wiki mal ganz abgesehen.

Die Komplexität mag erschlagend sein, doch wer sich da durcharbeitet und Herz mitbringt, der wird mit Horizon ein Spiel finden, dass in erster Linie im Kopf, in der Fantasie des Spielers abläuft und nur von Zahlen und Werten gestützt wird. Es bietet unzählige Teile aus der die Summen noch so viel größer sein können.

In diesem Sinne: Auf zu den Sternen

“naja, er war schon recht nervös geworden, als dieser Kampfwüstenplanet auf einmal in seinem System auftauchte, aber als dann diese planetare Fusionskanone ihre Energie durch den Weltraum jagte und ihm die halbe Planetenoberfläche wegbrannte, da war er dann doch schon etwas genervt.”

“Was die in der Galaxie treiben? Wahrscheinlich bauen die dort billig die Planeten auf und springen dann mit denen in ihr Heimatsystem. Geht ja, wegen der dortigen Konsistenz der Galaxie. Da geht der Bau viel billiger”

“Hat der schon wieder den Kampf in der Arena gewonnen? Er ist wohl bis jetzt der beste Flotten-Gladiator.”

“…und dann sprang urplötzlich eine riesen-Armada aus dem Hyperraum. Die kamen mit Landungsbooten und annektierten den Planeten für die nächsten Tage. Haben ganz schön an der Produktion mitverdient.”

“Tja, die Protonengeschütze und Plasmakanonen waren nicht effektiv genug, also hab ich das Antimateriegeschütz gebaut und auf dem Mond die Antimaterieschleuder errichtet. Das ist wie ein riesiges Katapult. Das Geschützt selber lenkt die Energie eigentlich nur zum Ziel…”

“Ich KeeLaak. Ich machen Kaputt…”

www.starborn.org

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